Zum Abschluss der Ausstellung „Kunst – Land – Wirtschaft“ mit Werken von Werner Klein und Wolfgang Meyer-Hesemann hatte sich in der Galerie für aktuelle Kunst in Achterwehr am Sonntag prominenter Besuch angekündigt: Prof. Dr. Friedhelm Taube vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sprach im Rahmen der Finissage über „Gedanken zur Zukunft der Landwirtschaft“.
Trotz des sommerlich warmen Wetters, das an diesem Nachmittag eigentlich eher zum Draußenbleiben einlud, fanden rund 35 Gäste den Weg in die Galerie. Die Räume waren bis auf den letzten Platz besetzt, ein Zeichen dafür, wie sehr das Thema Landwirtschaft und ihre Zukunft die Menschen in der Region bewegt.
Ein Wissenschaftler mit klarer Haltung
Friedhelm Taube gehört zu den profiliertesten Agrarwissenschaftlern Deutschlands. Seit 1995 leitet er als Professor das Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung an der CAU Kiel, seine Abteilung Grünland und Futterbau beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit landwirtschaftlicher Bodennutzung, Wasserqualität und Stickstoffkreisläufen. Über viele Jahre war er zudem Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und wurde als erster Nutzpflanzenwissenschaftler in die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) berufen.
In der öffentlichen Debatte meldet sich Taube seit Jahren immer wieder zu Wort, etwa zur Düngeverordnung, zu Stickstoffüberschüssen in der Landwirtschaft oder zur Bedeutung von Dauergrünland für Klima und Naturschutz. Seine Position ist dabei stets fachlich fundiert und pointiert zugleich.
Weg von der Fläche, hin zur Wirkung
Zentral für den Vortrag war eine Forderung, die Taube seit Langem vertritt: Die Agrarförderung müsse grundlegend umgebaut werden. Statt Fördergelder wie bisher vor allem nach der bewirtschafteten Fläche, also pro Hektar, zu vergeben, plädiert er dafür, konkrete ökologische Maßnahmen in den Mittelpunkt zu stellen. Wer aktiv zu Klimaschutz, Wasserqualität oder Biodiversität beiträgt, soll dafür gezielt honoriert werden, unabhängig von der reinen Betriebsgröße.
Dieser Perspektivwechsel, weg von der Fläche als Bemessungsgrundlage, hin zur tatsächlichen ökologischen Leistung, zog sich als roter Faden durch den Vortrag und traf im gut gefüllten Saal auf spürbares Interesse.
Ein passender Rahmen
Dass der Vortrag ausgerechnet im Rahmen der Finissage von „Kunst – Land – Wirtschaft“ stattfand, passte thematisch bestens: Die Ausstellung mit Fotografien von Wolfgang Meyer-Hesemann und Gemälden von Werner Klein hatte sich in den vergangenen Wochen bereits künstlerisch mit der Kulturlandschaft der Region auseinandergesetzt. Der wissenschaftliche Blick von Friedhelm Taube ergänzte diese künstlerische Perspektive um eine fundierte, zukunftsgerichtete Einordnung.
Der Kulturverein Region Westensee bedankt sich bei Prof. Taube für seinen engagierten Vortrag und bei allen Gästen für ihr zahlreiches Erscheinen.

